Osterkerze 2014

Glauben leben – hier und heute: Selber!

Erinnern Sie sich noch?

Im Januar habe ich Sie gefragt: Haben Sie heute schon Ihren Glauben gelebt?

Auf meine Bitte an Sie, mir aufzuschreiben, wie sie denn ihren Glauben leben, war der Rücklauf eher tröpfelnd. Es ist ja auch die Frage, wie viel will ich von mir hergeben, von mir erzählen? Oft reden wir  dann in Bildern: aussagekräftige Bilder und Geschichten, aber ich – wie leben ich den Glauben? Eigentlich ist das eine Frage für ein langes Gespräch und nicht für einen Notizzettel auf einer Pinnwand.

Schnell war klar, dass das ein sehr persönliches Thema ist, ein Thema, das mit mir selbst zu tun hat. Glauben leben ist nichts, was ich delegieren kann. Einer unserer Jugendlichen schrieb nur das eine Wort: Juleirunde. Wie schön, dass es da einen Ort gibt, an dem man seinen Glauben leben kann. Ein anderer Zettel enthielt  die Bitte, Alltagsbilder aus Gärtringen auszuwählen: Hier und heute.

Schwierig ist es offensichtlich, etwas von dem zu erzählen, was den persönlichen Glauben ausmacht jenseits von Kirchengemeinde und Gottesdienst.

Wie gut, dass es die Fastenzeit und damit einen Fastenkalender gegeben hat: „Sieben Wochen ohne“ begleitet mich schon seit vielen Jahren durch diese Zeit und manchmal spricht der Kalender mich ganz direkt an.

In diesem Jahr ging es um einen ganz direkten Aufruf: Selber!! Jede Woche ein Thema: Selber denken, selber suchen, selber reden, selber handeln, sich selber prüfen, selber bekennen, selber leuchten.

Das Wort „selber“ erinnert mich immer an eines unserer Kinder, das dieses Wort relativ früh für sich entdeckt hat. Nicht immer auf die Aktion der Großen warten müssen: Selber!!!

Beim Lesen im Fastenkalender machte es dann für mich „Klick".
Genau das war es, was mir persönlich am Jahresthema wichtig war.

Nicht große Vorbilder im Glauben zeigen. Keine Ansprüche an andere stellen, damit Glauben lebendig wird. Keine großen Ziele in weiter Ferne fordern für sich und andere. Sondern einfach selber hier und heute.
Aus den sieben Wochenthemen habe ich mir vier Bilder ausgesucht:

Selber denken, selber reden, selber handeln, selber leuchten.

Zu jedem der Bilder habe ich einen kurzen Text aus dem Fastenkalender ausgewählt, der einen Impuls für mich dargestellt hat. Vielleicht kann er auch für Sie eine Hilfe sein!

Selber denken:
„Auf dem Globus gibt es fast keine weißen Flecken mehr. Unerforschte Gebiete existieren nur noch unter der Schädeldecke“ (Hans Reimann, Schriftsteller)

Eine Frau, die denkt – ja das musste sein und hat nichts mit Feminismus zu tun. Es gibt so viele Darstellungen von Männern als Denker, da werden mir die Männer wohl verzeihen, wenn sie sich hier eine Denkerin gefallen lassen müssen. Die Denkerin ist unten links zu sehen. Auch im Glauben sollte das selber denken nach meinem Dafürhalten eine gewichtige Grundlage sein: Nachdenken, mitdenken aber auch quer denken. Nur wenn ich selber über Dinge nachdenke, werden sie für mich lebendig, kann ich sie Frucht bringen lassen.

Selber reden:
„Es kostet hellwache Tage und schlaflose Nächte um herauszufinden, was ins Helle gehört und was im Dunkeln bleiben muss.“ (Werner Lutz, schweizer Maler und Schriftsteller)

Die beiden Männer fühlen sich offensichtlich beim Reden nicht unwohl. Sie haben in ihrem Gespräch offensichtlich etwas gefunden, was ins Helle gehört.
Von dem, was man denkt, muss man auch erzählen. Unser Glaube ist so reich an Geschichten. Aber auch das Alltägliche will besprochen werden. Ich muss etwas von meinem Nachbarn oder auch einem Fremden erfahren, um eine Beziehung zu ihm aufbauen zu können. Miteinander reden heißt auch Anteil nehmen an dem, was mein Gegenüber bewegt in Freude und Leid.

Selber handeln:
„Große Gedanken brauchen nicht nur Flügel, sondern auch ein Fahrgestell zum Landen.“ (Neil Armstrong, Astronaut)

Da die Juleirunde für mich als Handlungsort nicht darstellbar war, tauchen hier unsere Sternsinger auf, die in ihrem Tun ein Beispiel für handelnden Glauben sind - auch wenn die erhaltenen Süßigkeiten ein netter Nebeneffekt sind. Aber ich habe immer wieder gespürt, dass dieses gemeinsame, manchmal auch mühevolle miteinander unterwegs sein für andere eine ganz wichtige Erfahrung nach den oft üppigen Weihnachtstagen ist. Ein guter Übergang vom Feiern in den Alltag. Die Sternsinger zeigen uns nur ihren Rücken: Beim Handeln für andere muss man nicht sein Gesicht zeigen. Die Tat zählt, nicht der Handelnde.

Selber leuchten:
„Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste." (Friedrich Hölderlin,Dichter)

Leuchtende Kinderaugen? Nein! Ein altes Gesicht sieht uns an. Keck schaut die Frau uns an mit einem Lächeln im Gesicht.

Ich hoffe, dass wenn man seinen Glauben wirklich lebt, dass dann im Alter ein Leuchten im Gesicht zu sehen ist, auch wenn manches nicht mehr so leicht möglich sein sollte und das Leben nicht nur freudige Erlebnisse bereit gehalten hat.

Die vier Bilder stehen aber nicht jedes für sich alleine. Sie bilden zusammen ein Oval und sind verbunden durch ein Kreuz. Eigentlich bilden Sie ja selbst mit Hilfe diese Kreuzes eine Einheit.

Nach allem, was ich in den Wochen auf dem Weg nach Ostern erlebt habe, denke ich: Glauben leben hier und heute heißt für mich ganz persönlich: die kleinen Dinge tun. Über Vieles Nachdenken, mit andern darüber reden, Dinge in die Hand nehmen, die nicht nur mir nützen und manchmal auch ein Lächeln in ein Gesicht zaubern. Nicht weil ich so gut bin, sondern weil ich die Kraft dazu geschenkt bekommen habe. Aber all das tun – SELBER!!!

Angelika Kopp            Zurück(Archiv)