Osterkerze 2016

Es besteht Handlungsbedarf

Unsere Hände sind der Körperteil, den wir am häufigsten direkt im Blick haben. Sie „handeln“. Das ist ja auch eine direkte Verbindung zum Jahresthema (Klima – Wandel – Aufbruch) und zum Jahr der Barmherzigkeit: Es besteht Handlungsbedarf! Handlungsbedarf meinem Nächsten gegenüber, aber auch in der Beziehung zu meiner Umwelt.

Die Hände auf der Osterkerze strecken sich in die vier Richtungen des Kreuzes. Die Kreuzform selbst enthält zwei Richtungspaare:

  • Die senkrechte Linie verbindet Erde und Himmel,
  • während die waagrechte eine Verbindung auf gleicher Höhe, also von Mensch zu Mensch darstellt.

Schauen wir uns die vier Endpunkte des Kreuzes genauer an:

Nach unten, zur Erde, zeigen die braunen Hände. Zur Erde gehört das Brot. Bei meiner Großmutter war Bäuerin. Ihr Brot war von Anfang bis Ende – bis auf das Mahlen des Getreides - das Ergebnis der Arbeit auf dem Hof. Jeder Brotlaib wurde von ihr vor dem Anschneiden mit einem Kreuz gesegnet. In unsere Familie galt das mindestens noch für den Geburtstagskuchen. Auf der Kerze ist das Brot gebrochen: Die Erde wird aufgebrochen, um die Saatkörner aufzunehmen und das fertige Brot muss wieder zerteilt werden, um von uns aufgenommen zu werden und seine sättigende Wirkung entfalten zu können. Brot ist ein Zeichen für unsere Verankerung in der Erde.

Aus dieser irdischen Stärkung entwickelt sich etwas, was die nach oben gestreckten Hände darstellen sollen: Es ist nicht materiell zu fassen. Meist werde ich zuerst auf diese Hände angesprochen. Am Donnerstag wurden sie von einer Teilnehmerin „Lichthände“ genannt. Hände im Osterlicht. Ich glaube das passt ganz gut. Vielleicht drücken sie ein bisschen die Sehnsucht nach diesem österlichen Leben und die damit verbundene Leichtigkeit aus. Oder wie es im Lied heißt: Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung.

Nach links streckt sich die rote Hand. Aus ihr wächst eine Rose heraus. Die Rosen als Liebesbote bedürfen wohl keiner weiteren Erklärung. Bei Sieger Köder, dem verstorbenen malenden Pfarrer, steht rot immer für das Neue Testament: Als Liebesbeweis Gottes wird uns Jesus geschenkt. Dieses sich Schenken geht aber nicht ins Leere, sondern geht um die Kerze herum in die blaue Hand, die sich nach rechts ausstreckt. Ein Geschenk braucht auch einen Abnehmer. Es entsteht eine Verbindung zwischen Schenkendem und Beschenktem. Die blaue Hand nimmt die Liebesgabe an, die Rose neigt sich ihr zu – Zuneigung! Die Zuneigung ist sogar so im Überfluss vorhanden, dass ein Teil der Rosenblätter wieder zurück zur Erde fallen darf, um dort zu nähren. Das Band von Mensch zu Mensch, das sich um die Kerze zieht, zeigt aber auch, dass wir auf der Ebene der Geschöpfe, der waagrechten Ebene, alle miteinander verbunden sind.

Sehen wir uns noch die Farbe an: Blau steht bei Sieger Köder für das Alte Testament. Blau steht für die Treue zu Gott und seinen Verheißungen. Und natürlich auch seiner Treue zu seinen Geschöpfen.

Von der Erde zum Himmel, von Mensch zu Mensch unter Einbeziehung unsere natürlichen Umwelt. Das ist das Spannungsfeld des Kreuzes. Um alles windet sich ein „grüner Faden“. Ein Lebensfaden, eine Wachstumslinie. Dabei sind alle Richtungen mit eingeschlossen – wachsen in alle Richtungen!

Jetzt wäre nur noch eines zu klären:

Was hat es mit der sonderbaren Anordnung von Alpha und Omega auf sich?
Oft stehen die beiden ohne inneren Zusammenhang nebeneinander. Wenn wir aber auf das Plakat zum Fastenweg (Barmherzig wie der Vater) schauen, dann finden wir die beiden wieder - wenn wir versuchen etwas hinter das Bild zu sehen. Jesus, den Tragenden, kann man zu einem Alpha stilisieren. Er trägt nicht nur einen Menschen, sondern einen Menschen in Omega-Form.

Das Alpha trägt das Omega, der Anfang trägt das Ende und das Ende darf sich vom Anfang tragen lassen. Darüber darf man auch einmal nachdenken!

Angelika Kopp                           Zurück zur Kirchenführung

Osterkerzen der vergangenen Jahre